Montag, 15. Juli 2013

Yazd bei 45 Grad und eine Entscheidung

02.07.2013
Wir ueberlegen gerade, wann wir das letzte Mal Regen hatten. Das war glaube ich in der Tuerkei am Nemrut Dagi. Vasco hatte gemeint, dass er Angst hat, es koennte durch den Tuerspalt reinregnen und wir spontan lachen mussten. Wir sind mitten in der Wueste in Yazd und schwitzen bei 45 Grad im Schatten oder verbringen den ganzen Nachmittag in unserem Zimmer im Silk-Road Hotel, was unsere Kinder nur bedingt toll finden.
Viel Zeit zum Nachdenken. Pakistan wird immer mehr zu einem grossen Fragezeichen, im Norden wurden gezielt 10 Touristen von einer Organisation, die den Taliban nahe steht, getoetet und mehr Opfer angedroht 'they are all our enemies!'

Wie so oft hat auch diese ploetzliche Eskalation ihren Grund in einer Aktion der Amerikaner, die mit einer Drohne den zweithoechsten Talibanfuehrer abgeschossen haben. Ich will nicht versuchen, die Taliban in irgendeiner Form zu verteidigen, es trifft immer unschuldige Menschen. Jedoch kurz ein Zitat von Juergen Todenhoefer, das ich sehr treffend finde in dem Zusammenhang:

Der Terrorismus, der uns weltweit entgegenschlaegt ist eine Antwort auf die Brutalitaet, mit der wir Westler seit Jahrhunderten die Traeume anderer Voelker zerstoeren. Erst wir Europaeer, dann die Amerikaner. Dass es unsere Gewalt ist, die uns weltweit als Bumerang entgegenfliegt. Jede Bombe, die wir in Afghanistan abwerfen, landet wieder bei uns. Die Kriege in Afghanistan und im Irak sind Terrorzuchtprogramme.

Fuer uns aendert es nichts, wir sind Touristen aus dem Westen und daher Ziel von Terroristen, die keine Skrupel haben zu toeten in ihrer Wut.
Mittlerweile haben wir die 2 Motorradfahrer aus Isfahan identifiziert, es ist Bernie (www.asiabike.de), mit dem wir bereits in Deutschland Kontakt hatten. Sie haben auch beschlossen, dass Pakistan zu unsicher ist und ansonsten ist auch in Yazd keine Spur von weiteren Overlandern. Gestern haben wir 2 Schweizer getroffen, die fast genau dieselbe Tour machen wie wir, nur mit dem Rucksack. Sie werden von Teheran nach Bombay weiterfliegen.

Also Plan B: Pingu wird von Bandar Abbas am persischen Golf nach Bombay verschifft und wir fliegen via Dubai nach. Das klingt erst mal einfach, bei mir kommen aber schwache Erinnerungen hoch, wie ich mal versuchte in Madras etwas aus dem Zoll zu bekommen. 2 Wochen und viele Nerven hatte es damals gekostet und das mithilfe einer Clearing-Agency. Ich will damit sagen, es ist weder der einfachere, noch der billigere Weg, aber auf alle Faelle der sicherere.

Wir finden einen wahren Engel namens Fatima im Reisebuero des Hotel Dad, sie telefonniert den ganzen Vormittag, um einen Container fuer uns zu organisieren. Die schlechte Nachricht: wir koennen den ganzen Papierkram nicht von Yazd aus erledigen, sondern muessen nach Bandar Abbas. Die gute: es ist nicht, wie schon vermutet noetig, nach Teheran zu gehen.

Ausserdem ist ein netter Mann von der Tourist Police durchaus willig, unser Visum um weitere 30 Tage zu verlaengern, mehr noch, es geht in jeder beliebigen Stadt im Iran, allerdings erst 3 Tage vor Ablauf. Wir wollen doch nicht die Regeln brechen?
Wir tratschen noch etwas ueber die Tatsache, dass die iranische Polizei ein guter Kunde von Mercedes ist und es werden Bonbons an die Kinder verteilt.

Auf dem Rueckweg erstehen wir noch eine lokale Sim-Karte, sicher besser, wenn wir erreichbar bleiben. Dann ist erst mal Siesta angesagt. Die Strassen leeren sich drastisch gegen 14 Uhr und man trifft die ersten Leute wieder um 7, kurz vor Sonnenuntergang. Gestern hatten wir uns schon ein wenig ein Bild der Altstadt machen koennen. Im Grunde besteht diese aus denselben Gebaeuden, wie die in Toudeshk, mit sonnengetrocknetem Schlamm verputzt, nur viel aelter. Sie sind von hohen Mauern umgeben und interessant wird es eigentlich erst, wenn man die Moeglichkeit hat, die Innenhoefe anzuschauen. Da die Leute sehr stolz auf ihre Haeuser sind, werden wir oft gereingebeten oder duerfen auf eine der Dachterassen, um die Aussicht zu geniessen.

Dann wird das Silk-Road Hotel doch noch zum Overlander Treff. Wir waren gerade unterwegs zu einer Tour in die Wueste, da parken 4 Motorraeder neben unserem Bus. Es ist Bernie ! Ich erkenne ihn sofort, naja, es sind so wenig Leute hier unterwegs, dass man sich einfach kennen muss. 'Ach ja, Maria aus der Schweiz, von der haben wir auch gehoert!' Bernie und sein Kumpel sind mit 2 Hollaendern unterwegs. Die sind noch entschlossen nach Pakistan zu fahren, weil sie eine teuere Tour durch China gebucht haben. China macht es Selbstfahrern nicht eben einfach, man darf eigentlich nur mit einer gefuehrten Tour einreisen und muss zudem vor der Einreise einen chinesischen Fuehrerschein machen (!), weswegen der Weg ueber China mit dem eigenen Fahrzeug nicht gerade der optimale ist. Anders sieht das natuerlich bei Radfahrern oder Backpackern aus.
Nach langem Diskutieren entscheiden sich alle 4 zurueck nach Teheran zu fahren und die Nordroute ueber Turkmenistan zu fahren. Wieder keine Foerderer des pakistanischen Tourismus....

Wir sind bereits 5 Tage in Yazd und wollen morgen weiter, unsere Kinder wollen mal wieder nichts wissen von der Siesta und wir sitzen im Innenhof und unterhalten uns mit Iwan, einem Indonesier, und sie planschen im Wasserbecken. Ploetzlich laeuft uns Vasco blutueberstroemt und schreiend entgegen. Riesenplatzwunde ueberm Auge, war wohl ausgerutscht und hatte einen Stein im Becken erwischt. Innerhalb von Sekunden steht ein Taxi vor der Tuer, wir mit beiden klatschnasssen Kindern ins Auto und ab ins Krankenhaus. Wir kommen sofort dran, die Wunde wird genaeht und verbunden. Eine Stunde spaeter sind wir wieder am Hotel und lassen uns mal uebersetzen, wie wir das Medikament einnehmen sollen, das wir eben in der Apotheke erstanden haben. Wofuer es ist? Aeh, keine Ahnung, vielleicht gegen Schmerzen, oder ein Antibiotika? Egal, ihr sollt das nehmen und gut..

Unser Aufenthalt wird sich hier noch etwas verlaengern, erst liege ich mit Fieber im Bett, das erst besser wird, als ich mir Antibiotika einwerfe. Waehrenddessen unternimmt Patrice mit den Kindern einen Ausflug zum Feuertempel nach Taft. Auf dem Rueckweg sieht er, dass die rechte Achswellenmanschette gerissen ist. Saemtliche Gummiteile sind wohl der Hitze nicht so gewachsen. Hilft nix, wieder mal in die Werkstatt und nach einer dreistuendigen Reparatur ist unser Bus um ein Peugeot-Teil reicher.

Jetzt noch was zur Kultur. Fast schon aus Langeweile stolpern wir an unserem letzten- und definitiv letzten Tag in den hiesigen Feuertempel. Dort brennt ein Feuer, das anscheinend schon ununterbrochen seit 470 v. Chr. brennt. Was hat es nur mit diesen Tempeln auf sich? 

Wir machen uns schlau: Das Feuer ist Gebetsort der Zoroastrianer. Diese Religion war im Iran vor der Islamisierung der vorherrschende Glaube. Sie waren Anhaenger von Zarathustra, der ungefaehr zwischen 1000 und 1500 v. Chr. geboren wurde. Ein wichtiges Element der Religion war die Verehrung des Feuers und ein Totenkult, bei dem die Toten, um die Umwelt nicht zu belasten in hohen Tuermen beigesetzt wurden, sogenannten Tuermen des Schweigens, die man in der Gegend auch noch besichtigen kann. Diese Tradition wurde im Iran erst vor 2 Generationen aus hygienischen Gruenden verboten. Weltweit gibt es noch 200.000 Anhaenger und im Iran sind es noch ca. 20.000, davon 4000 in Yazd. Das Feuer, das wir heute gesehen haben, wird als die Mutter aller Feuer des Zoroastrinismus angesehen, weitere Feuer sind aus diesem entstanden. Und wir waren da!

Am kaspischen Meer und die Strasse von Chalus nach Teheran

12.06.2013

Ich traue meinen Augen kaum, als wir am kaspischen Meer bei Astara an der Grenze zu Aserbaidschan ankommen. Man koennte auch irgendwo auf Java sein - Reisfelder in sattem gruen und Berge im Hintergrund. Nur vom Meer sieht man wenig, wir versuchen, von der Hauptstrasse abzubiegen und verirren uns in einem Labyrinth von Gassen, die immer mit einem Tor zu einem Privatgrundstueck enden. Na schoen, dann eben nicht, es wird bald dunkel und wir brauchen einen Platz zum uebernachten. In Lisar soll es eine Burg geben, wir halten direkt davor in einer kleinen Parkbucht und haben eine geniale Aussicht aufs Meer.

Ein paar Maenner mit Mopeds leisten uns Gesellschaft, sie sind sehr neugierig, sprechen aber kaum englisch. Ploetzlich taucht ein Auto mit 2 Polizisten auf: die Paesse bitte! Woher die nur wussten, dass wir hier sind? Sie fotografieren unsere Paesse mit dem Handy und wuenschen uns eine gute Nacht.

Und am naechsten Tag finden wir tatsaechlich einen Platz am Meer, es ist ein Feriendorf mit Camping und Holzhuettchen. Nachdem uns wieder mal keiner verstand, reichte man Patrice das Telefon und er spricht mit Eddy, der sagt, wir waeren willkommen und koennten sogar umsonst campen. In Tabriz wurde uns gesagt, dass es getrennte Badebereiche fuer Frauen und Maenner gaebe, das war hier nicht so. Wie schon gewohnt, muss man eben voll angezogen ins Wasser, aber was solls, nur beim Tauchen ist der Schleier etwas stoerend... Im Restaurant gibt es Fisch und wir treffen einen Veteranen des Iran-Irak-Kriegs, der Redner bei der anschliessenden Wahlveranstaltung ist. Ach ja, die Wahl! Wir verbringen den Wahltag in Ramsar an einem voellig ueberfuellten Strand und campen unter einer Palme direkt am Wasser.

Um 6 Uhr morgens geht der Wecker, wir haben eine Tour von ca. 450 km vor uns und werfen die Kinder erst mal schlafend in den Kofferraum. In Chalus verlassen wir das Meer in Richtung Teheran. Erst geht es entlang einer schoenen Schlucht mit jeder Menge Restaurants und Picknickplaetzen am Rand, wir sind nicht hungrig, nein, es ist noch weit! Danach hinauf in die Berge auf einer guten Pass-Strasse immer hoeher rauf. Irgendwann die Abzweigung zu einem Skigebiet und nach schier endlosen Serpentinen der Tunnel, der die Passhoehe markiert. Am Ausgang muss Vasco auf die Toilette und beim Anblick der grossen Suppentoepfe ist endlich Fruehstueck angesagt.

Auf der anderen Seite des Passes ist die Landschaft nicht weniger spektakulaer. Das ganze kann man als Fahrer natuerlich nur bedingt geniessen, weil die Iraner auch am Rande des Abgrunds, das Telefon in der einen Hand und die Getraenkedose in der anderen, ihre Qualitaeten als Rennfahrer unter Beweis stellen muessen. Das Ziel scheint immer zu sein, einen schwarzen Minibus von der Strasse abzudraengen. Wir passieren einen grossen Stausee, der Beifahrer macht Fotos waehrend der Fahrer flucht. Bei Karaj erreichen wir schliesslich die Autobahn.

Ein Bad im Salzsee und Stau zum Feiertag

08.06.2013

Wir haben doch einige Startschwierigkeiten im Iran, die ersten 300 Kilometer bis Sharaf Kaneh am Orumiyeh-See zeigen uns, dass sich die Fahrweise seit der Tuerkei ziemlich veraendert hat. Wir werden geschnitten, 2 Fahrspuren sind gedachte 3 plus Gegenverkehr ganz rechts von Mopeds und Autos. Man haelt auch gerne unvermittelt an und faehrt rueckwaerts oder so dicht auf unseren Koffer auf, dass ich schon die Lkw-Plane reissen hoere. Dann gibt es, um den Verkehrsfluss zu Beginn von Ortschaften etwas abzubremsen, zum Teil recht hohe Bremshuegel, die auch nicht immer beschildert sind. Wir stellen fest, dass wir trotz dass wir langsam fahren, an diesen Huegeln manchmal mit unserem Koffertraeger aufsetzen. Bei naeherem Hinschauen ist der Metalltraeger eindeutig der tiefste Punkt unseres Fahrzeugs und fuer Fahrten durchs Gelaende nicht wirklich optimal. Der erste Gedanke, das Ding abzuflexen, wuerde heissen, wir koennten den Koffer nicht mehr wegklappen. Also beschraenken wir die Massnahmen erst mal darauf, die Spritkanister zu leeren, um das Gewicht etwas zu reduzieren.

In Sharaf Kaneh soll es Hotels am See geben, wo man in dem stark salzhaltigen Wasser baden kann. Da wir alle noch nie am toten Meer waren, wollen wir diese Gelegenheit natuerlich nutzen. Naechste Huerde: wir fahren kreuz und quer durch den Ort, finden aber keinen Weg zum See und nur Schilder auf Farsi. Nach langer Fragerei treffen wir einen Versicherungsvertreter, der englisch spricht und uns den Weg zum Hotel zeigt. Es ist ein recht grosses Gebaeude mit einzelnen Apartments, grosses Zimmer mit Kueche und Bad fuer umgerechnet 7 euro pro Nacht. Das Hotel ist leer, es kommt lediglich eine Familie zum Tee trinken vorbei, die uns freundlich begruesst. Der Haken?

Es ist alles da, ueberdachte Huettchen am Strand, Duschen, um das Salz abzuwaschen, nur eines fehlt: der See ist verschwunden! Soweit man schaut, nur eine Salzwueste ist zu sehen, ein Steg fuehrt uebers Salz und am Ende ist immer noch kein Wasser. Wir laufen weiter bis zu ein paar verlassenen Salzabbauhuegeln am Horizont und auch von dort sieht man noch immer kein Wasser ausser einen kleinen kuenstlichen Kanal. Besser als gar nichts denken wir und springen mitsamt den Klamotten, wie es sich gehoert ins Wasser und steigen auf wie ein Luftballon...Cool. Nicht ganz so schoen, wenn die nassen Kleider auf der Haut trocknen und so starr werden, dass man sie fast nicht mehr ausziehen kann...

Der Wasserstand des Sees ist wohl sehr starken Schwankungen unterworfen und bei einer maximalen Tiefe von 15m ist natuerlich eine dauende Wasserentnahme aus den Zufluessen problematisch. Wir finden den Ort trotz allem nicht schlecht und bleiben gleich 2 Tage, vielleicht auch, weil wir uns nicht gleich wieder auf die Strasse wagen wollen.

Dann ist Freitag und dazu noch ein Feiertag, als wir nachmittags in Kandovan, einem Dorf mit 280 Einwohnern in der Naehe von Tabriz ankommen. Kandovan ist beruehmt wegen seiner Wohnungen in den Tuffsteinfelsen aehnlich zu denen in Kapadokien, mit dem Unterschied, dass diese sich auf das eine Dorf beschraenken, das am Ende einer Sackgasse liegt und nur bedingt mit Touristenmassen zurechtkommt. Da aber an diesem Nachmittag halb Tabriz in dieses kleine Dorf draengt, stehen wir erst mal eine Stunde im Stau und finden nur durch riesiges Glueck einen Parkplatz. Im Gedraenge treffen wir Maria wieder, die bei einer Familie in Tabriz wohnt, der Mann hatte sie von der Grenze mitgenommen.

Wir bleiben eine Nacht und siehe da, am spaeten Abend wird es tatsaechlich ruhiger, die Tagesausfluegler und Picknicker verlassen das Dorf und die 280 Einwohner koennen zurueckkommen...

Auf der Fahrt nach Kandovan hatten wir das erste Mal im Iran getankt. Wir brauchen Diesel und stehen somit zwischen allen LKWs an der Zapfsaeule, PKW tanken nur Benzin, oder seit die Regierung dies rationniert hat, gibt es auch viele Gasfahrzeuge. Jedenfalls leiht uns ein LKW-Fahrer seine Tankkarte und so bezahlen wir fuer 50 Liter ungefaehr 2 Euro, das kann man so vollkommen akzeptieren.

Bye-bye Iran !


Der Abschied war kurz, fliegen ist nicht das, was wir eigentlich auf dieser Reise tun wollten, aber nun hat es sich so ergeben, es ist nur eine halbe Stunde - schwupp, schon sind wir in einer anderen Welt. Wir fliegen mit Iran Aseman Airlines, eine der wenigen, die noch ein paar Boeing 727 fliegen, die weltweit laengst ausgemustert sind. Wegen den Sanktionen darf man nicht bei Boeing einkaufen und so muessen die alten Kisten noch ein wenig halten. Ich bin schon ein bisschen erleichtert, als wir in eine Fokker 100 einsteigen :-)
Dubai ist ein einziger Konsumtempel und alles, worauf wir lange verzichtet haben ist offen verfuegbar. Ich kann im Bikini am Pool sitzen und endlich den Schleier abnehmen, der bei ueber 40 Grad im Schatten schon etwas gestoert hat.

In Gedanken sind wir aber immer noch im Iran. Letztendlich wurden aus den 30 Tagen 6 Wochen und bislang gab es kaum ein Land, in dem wir uns so willkommen gefuehlt haben wie im Iran. Die Leute zeigten wirkliches Interesse an uns und unserer Kultur, trotz der Sprachbarriere. Unser Farsi blieb leider bei sehr rudimentaeren Saetzen stecken.

Den Menschen ist zu wuenschen, dass der neue Praesident Hassan Ruhani die Hoffnungen erfuellen kann, die in ihn gesetzt werden. Bei der Bekanntgabe des Wahlergebnisses haben die Leute auf den Strassen getanzt, so ganz anders als bei der Wahl Ahmedinedschads vor 4 Jahren. Einige Tage nach seiner Wahl hat er die Oeffnung des Internet angekuendigt und Gespraeche mit den USA ueber das Atomprogramm. Vielleicht gelingt es ihm, sein Land von diesen irrsinnigen Sanktionen zu befreien. Wir druecken beide Daumen!

Die Berichte folgen....

Montag, 24. Juni 2013

Nepper, Schlepper......die Grenze

Uns droehnen die Ohren. Nach einer langweiligen, lange dauernden Ausreise aus der Tuerkei, geht endlich das grosse Tor auf und der Ayatollah gruesst uns auf einem riesigen Plakat 'Welcome to Iran'. Nahezu zeitgleich verfolgen uns 5 Schlepper, die alle gleichzeitig in einigermassen verstaendlichem Englisch auf uns einreden.

Wir werden in den 'Salon' gebeten und sind natuerlich die einzigen auslaendischen 'Gaeste'. Wir hatten in Dogubayazit noch Maria getroffen, eine Schweizerin, die mit dem Fahrrad unterwegs nach Nepal ist, keine Spur von ihr, sie wollte frueh los und ist wahrscheinlich schon durch. Bei der Immigration werden unsere Kinder freundlich mit einem Schokoriegel begruesst und wir bekommen einen einwoechigen Aufenthalt in den Pass gestempelt. Haben wir uns da etwa verhoert? Es gibt lange Diskussionen, ja genau, da steht es doch auf dem Visum: 30 tage. Ok, ok, sagt der Mann, wir geben euch eine Woche, ihr bleibt einen Monat und gebt dem Beamten an der Pakistanischen Grenze eben etwas Geld... Hab ich mich schon wieder verhoert??

Naja, jedenfalls haben wir jetzt zwar keine Ahnung, was wirklich in unserem Pass steht, vielleicht lernen wir bis zur Ausreise genug Farsi, um es zu verstehen. Einer der Schlepper meinte am Schluss: ok, 30 days, und der Beamte aendert etwas in seinem Computer.

Schon auf der tuerkischen Seite sind wir schwach geworden und haben 200 euro und die restlichen Lira in Rial getauscht - wahrscheinlich zum schlechtesten Kurs ueberhaupt. Noch ueberzeugt davon, einen guten, wenn auch illegalen Deal gemacht zu haben, versteckt Patrice das Geld in den Windeln. Wieder belabern uns die Schlepper: wir tauschen zum BESTEN Kurs. Ich nehme 100 Euro und gehe demonstrativ zur Bank, schwarz tauschen, sowas machen wir nicht!

Voellig unglaeubig schaut mich der Mann in der Bank an: kann man tatsaechlich so bescheuert sein. Schau Maedel, dieser Mann will dir 1 Million Rial mehr geben als ich und du moechtest bei mir tauschen?
Na gut, ich tausche also beim Schlepper, der mich die naechste Stunde weiter zutextet, 100 euro seien aber sehr wenig usw..

Dann endlich erreichen wir den Terminal, eine letzte Polizeikontrolle, die uns aber nicht durchlassen will. Aber klar, wir brauchen noch eine Versicherung fuer das Auto, das Versicherungsbuero ist direkt gegenueber. Es soll fuer einen Monat 75 euro kosten, kommt uns zwar ueberteuert vor, aber die Schlepper reden schon wieder alle gleichzeitig, wir wollen hier raus und bezahlen im Tausch gegen eine Karte, auf der wichtige Dinge in Farsi stehen. Wenn wir einen Unfall haben, sollen wir die Polizei rufen, die regelt das dann mit der Versicherung, uebersetzt ein Schlepper. Bei der Ausfahrt stellen wir fest, dass wir die Versicherung gar nicht gebraucht haetten. Die Polizisten wollten nur den Pass sehen:-)

Unsere hilfreichen Freunde wollen nun natuerlich auch noch fuer ihre wertvollen Dienste entlohnt werden, am besten in Euro, davon haben wir ja offensichtlich genug. Endlich, gestresst und genervt nach ca. 2 Stunden fahren wir die lange Hauptstrasse von Bazargan entlang - Wir sind im Iran !


Sonntag, 23. Juni 2013

Hallo aus dem Iran!

Wir sind nun schon gute 2 Wochen im Iran unterwegs. Leider hat sich tatsaechlich bewahrheitet, dass an oeffentlichen Wlan-Zugaengen weder facebook noch blogger geoeffnet werden kann. So haben wir unsere Eindruecke mal regelmaessig niedergeschrieben und schicken sie euch nun im Bundle. Momentan sind wir in der Dasht-e-Kavir-Wueste und wohnen bei Mohammed Jalali in seinem gemuetlichen Guesthouse in Toudeshk, 100 km von Isfahan in Richtung Yazd. Mohammed hat mit einem Hostel fuer Radfahrer vor 9 Jahrenangefangen, damit diese die lange Strecke zwischen Esfahan und Yazd unterbrechen konnten. Hier kann man sich in seinem schoenen Innenhof erholen, die mittagliche Siesta ist ein Muss bei 40 Grad. Die Mahlzeiten werden zusammen mit seiner Familie auf dem grossen Teppich eingenommen.

So um 6 Uhr abends geht das Leben auf der Strasse wieder los, Geschaefte machen auf und die Leute sitzen vor ihren Haeusern. Der Sonnenuntergang ist phaenomenal und der Blick in die Sterne erst...

Mohammed hat eine private Lizenz fuer 'ungefiltertes' Internet wie viele Privatleute und leiht uns seinen Laptop. Ausserdem hat er heute morgen Pingu im Hof gewaschen und uns eine Werkstatt gezeigt, wo wir einen laengst faelligen Oelwechsel machen konnten. Vielen Dank dafuer und fuer alle Overlander die Empfehlung: schaut bei ihm vorbei, es lohnt sich! Morgen wollen wir in der Wueste uebernachten bei Wanderduenen ca. 60 km von hier. Bin schon sehr gespannt auf die Tour!

Hier die genaue Adresse:
Tak-Taku Guesthouse
Mohammed Jalali
Toudeshk-Cho -Iran
www.deserthome.ir
Tel: +98-9133654420

Kashan und Isfahan

21.06.2013

Wir unterbrechen unsere Fahrt nach Isfahan in Kashan, einer etwas kleineren Oasenstadt mit einem schoenen persischen Garten, der zeigen sollte, wieviel Wasser es in der Stadt gibt. Die Kinder planschen in den Kanaelen und Sima nimmt ein Vollbad, da sie auf den glatten Fliesen ausrutscht. Der Hammam ist ein historischer Ort. Hier wurde der Widerstandskaempfer Amir Kabir ermordet. Das Exekutionskommando des Shahs fand ihn, als er gerade bei seinem Masseur sass. Schoene Vorstellung,oder?






Vor dem Garten finden wir kleine Teehaeuser, in denen auf traditionelle Art Rosenwasserestilliert wird. Fuer die Nacht checken wir in einem der alten renovierten Handelshaeusern der Stadt ein, Kashan hat eine reiche Geschichte als Handelsstuetzpunkt und Verkehrsknotenpunkt fuer Karavanen durch die Wueste.
Das Hotel ist genial, mit riesigem Zimmer und tollem Innenhof mit Wasserbecken, wir duerfen die Kueche benutzen und schauen in der Lobby zu, wie Iran gegen Suedkorea im Fussball gewinnt und sich damit fuer die WM qualifiziert hat. Vasco wuenscht sich ein eigenes Zelt zum Geburtstag, also ziehen wir gegen Abend nochmal los Richtung Bazar. Der ist zwar schoen, hat aber keine Zelte. An einer Strassenecke fragen wir einen Mann nach 'Tschador'. Der schwarze Umhang der Frauen heisst woertlich uebersetzt also 'Zelt'. Ein Laden scheint ausserhalb der Stadt zu sein, Ali organisiert ein Taxi. Einige Zeit spaeter hat Vasco sein Zelt in der Hand und wir sind bei Ali eingeladen, zum essen, zum schlafen und ueberhaupt, wir koennen bleiben, solange wir wollen. Und ausgerechnet heute haben wir uns mal nicht im Park niedergelassen, sondern in einem relativ teueren Hotel.
Wir wollen nicht unhoeflich sein, und sagen zu, etwas mit seiner Familie zu trinken, so fuer eine halbe Stunde oder so und werden sehr herzlich von seiner Mutter und seiner Schwester empfangen. In der Wohnung sieht es sauber und gemuetlich aus, wir bekommen Suessigkeiten (Vasco isst wie immer unmaessig und stopft sich auch noch beide Hosentaschen voll, was uns peinlich ist aber die Leute sehr amuesant finden..). Dann gibt es gekuehlten Zuckersirup und anschliessend Gurken, jetzt ist genug, im Hotel wartet noch Haehnchen im Kuehlschrank, das heute gegessen werden will. Wir bedanken uns und machen etliche Abschiedsfotos.

Am naechsten Morgen noch lockere 200 Kilometer Autobahn bis nach Isfahan, der drittgroessten Stadt im Iran mit 1,6 Mio Einwohnern. Auf dem Weg passieren wir Natanz, genau jenes besagte Natanz, wir sehen einige Luftabwehr-Raketen um die Stadt herum stationniert und sind kaum an der Ausfahrt vorbei, da erklingt von unserem Sohn ein wohlbekannter Satz 'ich muss aufs Klo!'
Da man diese Tatsache unmoeglich ignorieren kann, halte ich in der naechsten Parkbucht und wir bringen es schnell und unauffaellig hinter uns.

In Isfahan versuchen wir zum ersten Mal einen Park mithilfe von GPS-Koordinaten zu finden und siehe da, es klappt, nur leider ist Camping hier mittlerweile verboten, wir bekommen eine Wegbeschreibung zum Campingplatz auf farsi, koennen aber soviel erkennen, dass er mindestens 10 km ausserhalb ist. Neee, das ist ja doof. Wir fahren am Fluss entlang zum naechsten Park. Dort treffen wir einen Mann mit einem T4 Transporter, der natuerlich alles ueber Pingu wissen will. Er ruft einen Freund an, der in Deutschland studiert hat. Der erzaehlt uns, dass man das campen generell in Isfahans Parks verboten hat, wir uns aber keine Gedanken machen sollen, einfach das Zelt aufbauen, bei Auslaendern waere man tolerant..
So dreist wollen wir nicht sein, finden mit viel Glueck einen Parkplatz mitten im Zentrum neben einem Park und duerfen hier im Bus uebernachten. Solange wir kein Zelt aufstellen, sagt auch keiner was. Wir zahlen 2 Euro am Tag fuer den Parkplatz und gehen dafuer in Ermangelung von Restaurants in der naeheren Umgebung im Abbasi-Hotel, eines der wenigen Luxushotels der Stadt dinnieren. Es befindet sich in einer renovierten Karavanserei und die Atmosphaere im Innenhof ist einfach genial. Wir wollen am naechsten Tag, Vascos Geburtstag hier das Buffet ausprobieren, man goennt sich ja sonst nichts.
Der naechste Tag gehoert unserem Sohn, alle Sehenswuerdigkeiten (und die Stadt ist voll davon) muessen warten. Wir verbringen also den halben Tag auf dem Spielplatz und den anderen halben warten wir darauf, dass die Seilbahn auf einen der umliegenden Berge endlich aufmacht. Dann nicht zu vergessen das Abendessen im Abbasi, nur eine Geburtstagstorte finden wir leider nirgends.
Am naechsten Morgen kommt Moritz an unserem Bus vorbei, ein Hollaender, den wir bereits aus Kashan kennen. Er erzaehlt, er haette 2 deutsche Motorradfahrer getroffen, die nach Pakistan wollten und auch noch einen schwarzen Jeep mit deutschem Kennzeichen vor dem Abbasi stehen sehen. Wir natuerlich in der Hoffnung endlich auf andere Overlander zu treffen auf zum Abbasi, kein Jeep, naja, dann eben ein Cay in der Lobby, wat solls.
Jetzt endlich zu den Sehenswuerdigkeiten. Die Ausmasse des zentralen Platzes bringen einen schon zum Staunen, es soll nach dem Tianmen-Platz in Peking der zweitgroesste Platz der Welt sein. Und dann die 2 Moscheen an dessen Ost bzw. Suedseite und der riesige Palast im Westen. Einfach unglaublich! Die Bilder sagen alles...
Auf dem Weg zum Abendessen kommt uns doch tatsaechlich noch ein weisser Unimog mit Pforzheimer Kennzeichen entgegen, Patrice winkt, doch er faehrt vorbei, kann ja jeder kommen.