Montag, 15. Juli 2013

Ein Bad im Salzsee und Stau zum Feiertag

08.06.2013

Wir haben doch einige Startschwierigkeiten im Iran, die ersten 300 Kilometer bis Sharaf Kaneh am Orumiyeh-See zeigen uns, dass sich die Fahrweise seit der Tuerkei ziemlich veraendert hat. Wir werden geschnitten, 2 Fahrspuren sind gedachte 3 plus Gegenverkehr ganz rechts von Mopeds und Autos. Man haelt auch gerne unvermittelt an und faehrt rueckwaerts oder so dicht auf unseren Koffer auf, dass ich schon die Lkw-Plane reissen hoere. Dann gibt es, um den Verkehrsfluss zu Beginn von Ortschaften etwas abzubremsen, zum Teil recht hohe Bremshuegel, die auch nicht immer beschildert sind. Wir stellen fest, dass wir trotz dass wir langsam fahren, an diesen Huegeln manchmal mit unserem Koffertraeger aufsetzen. Bei naeherem Hinschauen ist der Metalltraeger eindeutig der tiefste Punkt unseres Fahrzeugs und fuer Fahrten durchs Gelaende nicht wirklich optimal. Der erste Gedanke, das Ding abzuflexen, wuerde heissen, wir koennten den Koffer nicht mehr wegklappen. Also beschraenken wir die Massnahmen erst mal darauf, die Spritkanister zu leeren, um das Gewicht etwas zu reduzieren.

In Sharaf Kaneh soll es Hotels am See geben, wo man in dem stark salzhaltigen Wasser baden kann. Da wir alle noch nie am toten Meer waren, wollen wir diese Gelegenheit natuerlich nutzen. Naechste Huerde: wir fahren kreuz und quer durch den Ort, finden aber keinen Weg zum See und nur Schilder auf Farsi. Nach langer Fragerei treffen wir einen Versicherungsvertreter, der englisch spricht und uns den Weg zum Hotel zeigt. Es ist ein recht grosses Gebaeude mit einzelnen Apartments, grosses Zimmer mit Kueche und Bad fuer umgerechnet 7 euro pro Nacht. Das Hotel ist leer, es kommt lediglich eine Familie zum Tee trinken vorbei, die uns freundlich begruesst. Der Haken?

Es ist alles da, ueberdachte Huettchen am Strand, Duschen, um das Salz abzuwaschen, nur eines fehlt: der See ist verschwunden! Soweit man schaut, nur eine Salzwueste ist zu sehen, ein Steg fuehrt uebers Salz und am Ende ist immer noch kein Wasser. Wir laufen weiter bis zu ein paar verlassenen Salzabbauhuegeln am Horizont und auch von dort sieht man noch immer kein Wasser ausser einen kleinen kuenstlichen Kanal. Besser als gar nichts denken wir und springen mitsamt den Klamotten, wie es sich gehoert ins Wasser und steigen auf wie ein Luftballon...Cool. Nicht ganz so schoen, wenn die nassen Kleider auf der Haut trocknen und so starr werden, dass man sie fast nicht mehr ausziehen kann...

Der Wasserstand des Sees ist wohl sehr starken Schwankungen unterworfen und bei einer maximalen Tiefe von 15m ist natuerlich eine dauende Wasserentnahme aus den Zufluessen problematisch. Wir finden den Ort trotz allem nicht schlecht und bleiben gleich 2 Tage, vielleicht auch, weil wir uns nicht gleich wieder auf die Strasse wagen wollen.

Dann ist Freitag und dazu noch ein Feiertag, als wir nachmittags in Kandovan, einem Dorf mit 280 Einwohnern in der Naehe von Tabriz ankommen. Kandovan ist beruehmt wegen seiner Wohnungen in den Tuffsteinfelsen aehnlich zu denen in Kapadokien, mit dem Unterschied, dass diese sich auf das eine Dorf beschraenken, das am Ende einer Sackgasse liegt und nur bedingt mit Touristenmassen zurechtkommt. Da aber an diesem Nachmittag halb Tabriz in dieses kleine Dorf draengt, stehen wir erst mal eine Stunde im Stau und finden nur durch riesiges Glueck einen Parkplatz. Im Gedraenge treffen wir Maria wieder, die bei einer Familie in Tabriz wohnt, der Mann hatte sie von der Grenze mitgenommen.

Wir bleiben eine Nacht und siehe da, am spaeten Abend wird es tatsaechlich ruhiger, die Tagesausfluegler und Picknicker verlassen das Dorf und die 280 Einwohner koennen zurueckkommen...

Auf der Fahrt nach Kandovan hatten wir das erste Mal im Iran getankt. Wir brauchen Diesel und stehen somit zwischen allen LKWs an der Zapfsaeule, PKW tanken nur Benzin, oder seit die Regierung dies rationniert hat, gibt es auch viele Gasfahrzeuge. Jedenfalls leiht uns ein LKW-Fahrer seine Tankkarte und so bezahlen wir fuer 50 Liter ungefaehr 2 Euro, das kann man so vollkommen akzeptieren.

Bye-bye Iran !


Der Abschied war kurz, fliegen ist nicht das, was wir eigentlich auf dieser Reise tun wollten, aber nun hat es sich so ergeben, es ist nur eine halbe Stunde - schwupp, schon sind wir in einer anderen Welt. Wir fliegen mit Iran Aseman Airlines, eine der wenigen, die noch ein paar Boeing 727 fliegen, die weltweit laengst ausgemustert sind. Wegen den Sanktionen darf man nicht bei Boeing einkaufen und so muessen die alten Kisten noch ein wenig halten. Ich bin schon ein bisschen erleichtert, als wir in eine Fokker 100 einsteigen :-)
Dubai ist ein einziger Konsumtempel und alles, worauf wir lange verzichtet haben ist offen verfuegbar. Ich kann im Bikini am Pool sitzen und endlich den Schleier abnehmen, der bei ueber 40 Grad im Schatten schon etwas gestoert hat.

In Gedanken sind wir aber immer noch im Iran. Letztendlich wurden aus den 30 Tagen 6 Wochen und bislang gab es kaum ein Land, in dem wir uns so willkommen gefuehlt haben wie im Iran. Die Leute zeigten wirkliches Interesse an uns und unserer Kultur, trotz der Sprachbarriere. Unser Farsi blieb leider bei sehr rudimentaeren Saetzen stecken.

Den Menschen ist zu wuenschen, dass der neue Praesident Hassan Ruhani die Hoffnungen erfuellen kann, die in ihn gesetzt werden. Bei der Bekanntgabe des Wahlergebnisses haben die Leute auf den Strassen getanzt, so ganz anders als bei der Wahl Ahmedinedschads vor 4 Jahren. Einige Tage nach seiner Wahl hat er die Oeffnung des Internet angekuendigt und Gespraeche mit den USA ueber das Atomprogramm. Vielleicht gelingt es ihm, sein Land von diesen irrsinnigen Sanktionen zu befreien. Wir druecken beide Daumen!

Die Berichte folgen....

Montag, 24. Juni 2013

Nepper, Schlepper......die Grenze

Uns droehnen die Ohren. Nach einer langweiligen, lange dauernden Ausreise aus der Tuerkei, geht endlich das grosse Tor auf und der Ayatollah gruesst uns auf einem riesigen Plakat 'Welcome to Iran'. Nahezu zeitgleich verfolgen uns 5 Schlepper, die alle gleichzeitig in einigermassen verstaendlichem Englisch auf uns einreden.

Wir werden in den 'Salon' gebeten und sind natuerlich die einzigen auslaendischen 'Gaeste'. Wir hatten in Dogubayazit noch Maria getroffen, eine Schweizerin, die mit dem Fahrrad unterwegs nach Nepal ist, keine Spur von ihr, sie wollte frueh los und ist wahrscheinlich schon durch. Bei der Immigration werden unsere Kinder freundlich mit einem Schokoriegel begruesst und wir bekommen einen einwoechigen Aufenthalt in den Pass gestempelt. Haben wir uns da etwa verhoert? Es gibt lange Diskussionen, ja genau, da steht es doch auf dem Visum: 30 tage. Ok, ok, sagt der Mann, wir geben euch eine Woche, ihr bleibt einen Monat und gebt dem Beamten an der Pakistanischen Grenze eben etwas Geld... Hab ich mich schon wieder verhoert??

Naja, jedenfalls haben wir jetzt zwar keine Ahnung, was wirklich in unserem Pass steht, vielleicht lernen wir bis zur Ausreise genug Farsi, um es zu verstehen. Einer der Schlepper meinte am Schluss: ok, 30 days, und der Beamte aendert etwas in seinem Computer.

Schon auf der tuerkischen Seite sind wir schwach geworden und haben 200 euro und die restlichen Lira in Rial getauscht - wahrscheinlich zum schlechtesten Kurs ueberhaupt. Noch ueberzeugt davon, einen guten, wenn auch illegalen Deal gemacht zu haben, versteckt Patrice das Geld in den Windeln. Wieder belabern uns die Schlepper: wir tauschen zum BESTEN Kurs. Ich nehme 100 Euro und gehe demonstrativ zur Bank, schwarz tauschen, sowas machen wir nicht!

Voellig unglaeubig schaut mich der Mann in der Bank an: kann man tatsaechlich so bescheuert sein. Schau Maedel, dieser Mann will dir 1 Million Rial mehr geben als ich und du moechtest bei mir tauschen?
Na gut, ich tausche also beim Schlepper, der mich die naechste Stunde weiter zutextet, 100 euro seien aber sehr wenig usw..

Dann endlich erreichen wir den Terminal, eine letzte Polizeikontrolle, die uns aber nicht durchlassen will. Aber klar, wir brauchen noch eine Versicherung fuer das Auto, das Versicherungsbuero ist direkt gegenueber. Es soll fuer einen Monat 75 euro kosten, kommt uns zwar ueberteuert vor, aber die Schlepper reden schon wieder alle gleichzeitig, wir wollen hier raus und bezahlen im Tausch gegen eine Karte, auf der wichtige Dinge in Farsi stehen. Wenn wir einen Unfall haben, sollen wir die Polizei rufen, die regelt das dann mit der Versicherung, uebersetzt ein Schlepper. Bei der Ausfahrt stellen wir fest, dass wir die Versicherung gar nicht gebraucht haetten. Die Polizisten wollten nur den Pass sehen:-)

Unsere hilfreichen Freunde wollen nun natuerlich auch noch fuer ihre wertvollen Dienste entlohnt werden, am besten in Euro, davon haben wir ja offensichtlich genug. Endlich, gestresst und genervt nach ca. 2 Stunden fahren wir die lange Hauptstrasse von Bazargan entlang - Wir sind im Iran !


Sonntag, 23. Juni 2013

Hallo aus dem Iran!

Wir sind nun schon gute 2 Wochen im Iran unterwegs. Leider hat sich tatsaechlich bewahrheitet, dass an oeffentlichen Wlan-Zugaengen weder facebook noch blogger geoeffnet werden kann. So haben wir unsere Eindruecke mal regelmaessig niedergeschrieben und schicken sie euch nun im Bundle. Momentan sind wir in der Dasht-e-Kavir-Wueste und wohnen bei Mohammed Jalali in seinem gemuetlichen Guesthouse in Toudeshk, 100 km von Isfahan in Richtung Yazd. Mohammed hat mit einem Hostel fuer Radfahrer vor 9 Jahrenangefangen, damit diese die lange Strecke zwischen Esfahan und Yazd unterbrechen konnten. Hier kann man sich in seinem schoenen Innenhof erholen, die mittagliche Siesta ist ein Muss bei 40 Grad. Die Mahlzeiten werden zusammen mit seiner Familie auf dem grossen Teppich eingenommen.

So um 6 Uhr abends geht das Leben auf der Strasse wieder los, Geschaefte machen auf und die Leute sitzen vor ihren Haeusern. Der Sonnenuntergang ist phaenomenal und der Blick in die Sterne erst...

Mohammed hat eine private Lizenz fuer 'ungefiltertes' Internet wie viele Privatleute und leiht uns seinen Laptop. Ausserdem hat er heute morgen Pingu im Hof gewaschen und uns eine Werkstatt gezeigt, wo wir einen laengst faelligen Oelwechsel machen konnten. Vielen Dank dafuer und fuer alle Overlander die Empfehlung: schaut bei ihm vorbei, es lohnt sich! Morgen wollen wir in der Wueste uebernachten bei Wanderduenen ca. 60 km von hier. Bin schon sehr gespannt auf die Tour!

Hier die genaue Adresse:
Tak-Taku Guesthouse
Mohammed Jalali
Toudeshk-Cho -Iran
www.deserthome.ir
Tel: +98-9133654420

Kashan und Isfahan

21.06.2013

Wir unterbrechen unsere Fahrt nach Isfahan in Kashan, einer etwas kleineren Oasenstadt mit einem schoenen persischen Garten, der zeigen sollte, wieviel Wasser es in der Stadt gibt. Die Kinder planschen in den Kanaelen und Sima nimmt ein Vollbad, da sie auf den glatten Fliesen ausrutscht. Der Hammam ist ein historischer Ort. Hier wurde der Widerstandskaempfer Amir Kabir ermordet. Das Exekutionskommando des Shahs fand ihn, als er gerade bei seinem Masseur sass. Schoene Vorstellung,oder?






Vor dem Garten finden wir kleine Teehaeuser, in denen auf traditionelle Art Rosenwasserestilliert wird. Fuer die Nacht checken wir in einem der alten renovierten Handelshaeusern der Stadt ein, Kashan hat eine reiche Geschichte als Handelsstuetzpunkt und Verkehrsknotenpunkt fuer Karavanen durch die Wueste.
Das Hotel ist genial, mit riesigem Zimmer und tollem Innenhof mit Wasserbecken, wir duerfen die Kueche benutzen und schauen in der Lobby zu, wie Iran gegen Suedkorea im Fussball gewinnt und sich damit fuer die WM qualifiziert hat. Vasco wuenscht sich ein eigenes Zelt zum Geburtstag, also ziehen wir gegen Abend nochmal los Richtung Bazar. Der ist zwar schoen, hat aber keine Zelte. An einer Strassenecke fragen wir einen Mann nach 'Tschador'. Der schwarze Umhang der Frauen heisst woertlich uebersetzt also 'Zelt'. Ein Laden scheint ausserhalb der Stadt zu sein, Ali organisiert ein Taxi. Einige Zeit spaeter hat Vasco sein Zelt in der Hand und wir sind bei Ali eingeladen, zum essen, zum schlafen und ueberhaupt, wir koennen bleiben, solange wir wollen. Und ausgerechnet heute haben wir uns mal nicht im Park niedergelassen, sondern in einem relativ teueren Hotel.
Wir wollen nicht unhoeflich sein, und sagen zu, etwas mit seiner Familie zu trinken, so fuer eine halbe Stunde oder so und werden sehr herzlich von seiner Mutter und seiner Schwester empfangen. In der Wohnung sieht es sauber und gemuetlich aus, wir bekommen Suessigkeiten (Vasco isst wie immer unmaessig und stopft sich auch noch beide Hosentaschen voll, was uns peinlich ist aber die Leute sehr amuesant finden..). Dann gibt es gekuehlten Zuckersirup und anschliessend Gurken, jetzt ist genug, im Hotel wartet noch Haehnchen im Kuehlschrank, das heute gegessen werden will. Wir bedanken uns und machen etliche Abschiedsfotos.

Am naechsten Morgen noch lockere 200 Kilometer Autobahn bis nach Isfahan, der drittgroessten Stadt im Iran mit 1,6 Mio Einwohnern. Auf dem Weg passieren wir Natanz, genau jenes besagte Natanz, wir sehen einige Luftabwehr-Raketen um die Stadt herum stationniert und sind kaum an der Ausfahrt vorbei, da erklingt von unserem Sohn ein wohlbekannter Satz 'ich muss aufs Klo!'
Da man diese Tatsache unmoeglich ignorieren kann, halte ich in der naechsten Parkbucht und wir bringen es schnell und unauffaellig hinter uns.

In Isfahan versuchen wir zum ersten Mal einen Park mithilfe von GPS-Koordinaten zu finden und siehe da, es klappt, nur leider ist Camping hier mittlerweile verboten, wir bekommen eine Wegbeschreibung zum Campingplatz auf farsi, koennen aber soviel erkennen, dass er mindestens 10 km ausserhalb ist. Neee, das ist ja doof. Wir fahren am Fluss entlang zum naechsten Park. Dort treffen wir einen Mann mit einem T4 Transporter, der natuerlich alles ueber Pingu wissen will. Er ruft einen Freund an, der in Deutschland studiert hat. Der erzaehlt uns, dass man das campen generell in Isfahans Parks verboten hat, wir uns aber keine Gedanken machen sollen, einfach das Zelt aufbauen, bei Auslaendern waere man tolerant..
So dreist wollen wir nicht sein, finden mit viel Glueck einen Parkplatz mitten im Zentrum neben einem Park und duerfen hier im Bus uebernachten. Solange wir kein Zelt aufstellen, sagt auch keiner was. Wir zahlen 2 Euro am Tag fuer den Parkplatz und gehen dafuer in Ermangelung von Restaurants in der naeheren Umgebung im Abbasi-Hotel, eines der wenigen Luxushotels der Stadt dinnieren. Es befindet sich in einer renovierten Karavanserei und die Atmosphaere im Innenhof ist einfach genial. Wir wollen am naechsten Tag, Vascos Geburtstag hier das Buffet ausprobieren, man goennt sich ja sonst nichts.
Der naechste Tag gehoert unserem Sohn, alle Sehenswuerdigkeiten (und die Stadt ist voll davon) muessen warten. Wir verbringen also den halben Tag auf dem Spielplatz und den anderen halben warten wir darauf, dass die Seilbahn auf einen der umliegenden Berge endlich aufmacht. Dann nicht zu vergessen das Abendessen im Abbasi, nur eine Geburtstagstorte finden wir leider nirgends.
Am naechsten Morgen kommt Moritz an unserem Bus vorbei, ein Hollaender, den wir bereits aus Kashan kennen. Er erzaehlt, er haette 2 deutsche Motorradfahrer getroffen, die nach Pakistan wollten und auch noch einen schwarzen Jeep mit deutschem Kennzeichen vor dem Abbasi stehen sehen. Wir natuerlich in der Hoffnung endlich auf andere Overlander zu treffen auf zum Abbasi, kein Jeep, naja, dann eben ein Cay in der Lobby, wat solls.
Jetzt endlich zu den Sehenswuerdigkeiten. Die Ausmasse des zentralen Platzes bringen einen schon zum Staunen, es soll nach dem Tianmen-Platz in Peking der zweitgroesste Platz der Welt sein. Und dann die 2 Moscheen an dessen Ost bzw. Suedseite und der riesige Palast im Westen. Einfach unglaublich! Die Bilder sagen alles...
Auf dem Weg zum Abendessen kommt uns doch tatsaechlich noch ein weisser Unimog mit Pforzheimer Kennzeichen entgegen, Patrice winkt, doch er faehrt vorbei, kann ja jeder kommen.

Freitag, 31. Mai 2013

Am Van-See

Beim Anblick des riesigen Sees auf unserer Karte ist der erste naive Gedanke natuerlich: Badesachen griffbereit und einen geeigneten Platz finden zum reinspringen!

Die geographischen und infrastrukturellen Gegebenheiten ernuechtern uns dann etwas. Der Van-See, der groesste See der Tuerkei ist ca. 7 mal so gross wie der Bodensee, liegt auf 1700m Hoehe und ist dadurch entstanden, dass bei einem Vulkanausbruch sein Abfluss verstopft wurde. Ein natuerlicher Stausee sozusagen. Das Wasser ist stark sodahaltig, sodass bei einem ph-Wert von 9 Fische nur im Bereich der Zufluesse existieren koennen. Der See ist von einigen der hoechsten Berge der Tuerkei umgeben, natuerlich alle schneebedeckt.

Bei unserer Ankunft in Tatvan geraten wir in einen ziemlich heftigen Hagelschauer bei ungefaehr 10○C! Die anschliessende Suche nach einem Campingplatz bleibt erfolglos, auch nach 60 km Kuestenstrasse. Tourismus scheint hier ein Fremdwort zu sein. Zudem haben alle Hotels geschlossen, bleibt also nur Plan C, in einem kleinen Dorf biegen wir in Richtung See ab und stehen auf  einer Wiese zwischen Huehnern und grasenden Kuehen. Die Frau beim angrenzenden Bauernhof gibt uns zu verstehen, dass wir bleiben koennen, na gut, ueberredet. Die Kinderschar ist sehr interessiert an unserem Bus und unsere beiden haben endlich keine Langeweile mehr, man baut zusammen einen Damm am kleinen Bach und angelt.

Am naechsten Morgen begruesst uns die Sonne und wir haben kaum unseren tuerkischen Kaffee auf dem Kocher, da winkt die Frau von gestern, sie ist die Baeckerin im Dorf und backt in einem einfachen Erdofen grosse Fladenbrote. Obwohl ich eigentlich nicht will, drueckt sie mir 3 Brote in die Hand. Wer kann soviel Brot essen?
Gegen Nachmittag wird es tatsaechlich angenehm warm, Patrice wagt den Sprung ins Wasser, ist aber schnell wieder draussen, brrrrr ist das kalt!! Und ein komischer Schmierfilm auf der Haut. Naja, einen Versuch war es wert.


Die Verstaendigung ist schwierig, ausser 'hello' hoert man hier kaum englisch. Unser urspruenglicher Plan, die Faehre nach Van zu nehmen ist dadurch gescheitert, dass wir nach einer halben Stunde 'Konversation' nur herausfinden konnten, dass die Faehre abends zwischen 8 und 9 faehrt, aber beim Fahrplan fuer den naechsten Morgen wurde es sehr schwierig, etwas zu deuten..deshalb darf Pingu sich also doch nicht ausruhen und muss die Nordroute um den See herum fahren.

Adilcevac ist eine nette Kleinstadt mit einem lebendigen Markt. Ausserhalb der Stadt sehen wir etwas, was ich bisher nur in der tibetischen Hochebene, auf der es ja wegen der Hoehe keinerlei Baeume gibt, gesehen habe: sie trocknen Kuhdung, um zu heizen! Es gibt zugegeben auch hier nur wenig Holz und kalt wird es allemal.

Jetzt sind wir bereits in Dogubayazit, der Grenzstadt zum Iran und genau das ist sie auch: eine Bordertown. Die Fahrt hierher laesst uns unsere Aussage, die Strassen in der Tuerkei seien in gutem Zustand revidieren, eine Baustelle loest die naechste ab, wir erwischen mindestens 4 der tausend Schlagloecher und auf dem letzten Pass ueber 2600m geraten wir in einen Schneeschauer, in Minuten ist die Strasse weiss, genauso schnell ist der Spuk vorbei. Ausser dem Anblick des Ararat und einem riesigen Palast hat Dogubayazit nicht viel zu bieten, in den Strassen herrscht Hektik, wie wir sie nicht mehr gewohnt sind. Wir wohnen zuerst im Murat-Camping auf dem Berg mit tollem Blick auf die Stadt, der Platz ist weit ueber die tuerkische Grenze bei Overlandern bekannt als Treffpunkt fuer eine Weiterreise in den Iran. Wir sind bislang die einzigen Overlander hier. Soll das ein Zeichen sein? Die Naechte sind windig und kalt auf ueber 2000m Hoehe und deshalb sind wir heute umgezogen zu Bertil, einem Hollaender, er hat zusammen mit einem Kurden einen Campingplatz am Stadtrand und kommt seit 25 Jahren nach Ostanatolien. Er erzaehlt uns, dass in Erzurum momentan 30 Leute auf ein Visum warten und dies nicht bekommen wegen den anstehenden Praesidentenwahlen. Die Grenze sei aber offen - zum Glueck!

Wir werden versuchen euch auch aus dem Iran auf dem Laufenden zu halten. Da wir aber bislang nicht wissen, wie oft oder von wo wir ins Internet koennen und welche Seiten ueberhaupt zugaenglich sind (man hoert Facebook sei gesperrt...), kann es sein, dass der naechste Bericht etwas auf sich warten laesst. Wir sind auf alle Faelle neugierig und gespannt auf das neue Land. Wann genau wir ausreisen, wissen wir noch nicht, im Iran sind jetzt 3 Feiertage in Folge und wir wollen noch unsere Alkoholvorraete aufbrauchen, vor allem um den Chianti waere es schade:-))

Dienstag, 28. Mai 2013

Durchs wilde Kurdistan

Schier endlos dauert die Fahrt durch die mesopotamische Steppenlandschaft. Dann stehen wir in Diyarbakir, einer Stadt mit fast einer Million Einwohner, also etwas groesser als Stuttgart. Hatten wir uns noch am Nemrut gefragt, wo genau denn die tuerkischen Kurden leben und nur soviel herausgefunden, dass 7 Millionen in Ostanatolien verteilt eben und weitere 7 Millionen im Rest der Tuerkei. So ist uns jetzt klar: Diyarbakir ist das Zentrum des kurdischen Widerstands und die inoffizielle Hauptstadt der tuerkischen Kurden.

Kleine dezente Hinweise verraten uns, dass es in der Stadt weder in der nahen Vergangenheit noch in der Gegenwart besonders ruhig ist. Gleich in einem Vorort sehen wir eine Demonstration und sind froh, dort nicht zu Fuss unterwegs zu sein. In der Altstadt kommen wir an einem voellig ausgebrannten Schuhladen vorbei und in einer der vielen kleinen Gassen sieht es aus, als haette es eine Explosion gegeben, ueberall liegen Truemmer auf der Strasse. Wir sehen mehrere Panzerwagen und schwer bewaffnete Polizisten schlendern herum und laecheln uns freundlich an. Die Kampfjets und Militaerhubschrauber, die zudem ueber uns hinwegfliegen sind aber wohl eher mit dem Krieg in Syrien als mit dem Kurdenkonflikt beschaeftigt. Trotz dass wir die Grenze zu Syrien versuchen weitraeumig zu umfahren, treffen wir auch hier viele Fluechtlinge.
Diyarbakir hat einige Sehenswuerdigkeiten, ganz an der Spitze die massive schwarze Stadtmauer aus der Roemerzeit. Mit 6 km Laenge soll sie die zweitlaengste Mauer nach der chinesischen Mauer sein. Dann die Ulu Camii, eine Moschee erbaut von den Sedschuken, fast ebenso massiv wie die Mauer und mit quadratischem Grundriss, was fuer eine osmanische Moschee eher ungewoehnlich ist. Mit Kopftuch darf ich mir sogar den Maennerbereich anschauen und Fotos machen! Dann gibt es noch 2 schoen renovierte Kerawansereien, die eine ist noch immer ein Hotel und hatte frueher Platz fuer 80 Kamele, die andere beherbergt Laeden und Cafes
Der Basar ist riesig und es gibt sogar eine ganze Halle nur fuer Kaese und Oliven.
Wir finden recht schnell einen bewachten Parkplatz in einem Hinterhof in der Altstadt, fragen, ob wir uebernachten koennen, die Antwort ist mal wieder ein Chay. Nach 3 Chays kommt einer der Maenner mit einer grossen Pfanne eines Lammgerichts, die anderen Maenner setzen sich im Kreis um die Pfanne und wir werden gebeten, uns doch dazuzusetzen und mitzuessen. So lernen wir schon mal das kurdische Wort fuer 'Danke'. Das werden wir in der Stadt noch oefter brauchen, staendig gibt es fuer die Kinder etwas geschenkt, als wir ueber den Markt schlendern, finden wir einen Laden, der Seile verkauft. Wir wickeln 4 m ab fuer unsere Haengematte und fragen nach dem Preis. Der Mann zeigt auf Vasco und meint: for him.
Immer noch wenig Erfolg haben wir mit unserer Suche nach Spiritus. In einem Laden versichert man uns, es gaebe 'Ispirto'. Ich schaue mir die Flasche mit der lila eingefaerbten Fluessigkeit an und darauf steht zwar nur tuerkisch, aber methylalkohol ist wohl international verstaendlich. Nicht auszudenken, unsere Kinder erwischen einen Schluck davon...
Im Park werden wir oefter um Geld angebettelt, hauptsaechlich von Kindern, irgendwann setzt sich eine alte Frau zu mir auf die Bank und spricht kurdisch mit mir. Als sie merkt, dass ich nichts verstehe, zeigt sie mit der Hand auf meine Ringe. Die Bettler denken offensichtlich ich waere reich wegen ein paar Silberringen. Das kann man zum Glueck schnell aendern. Und tatsaechlich, von jetzt an ist Ruhe.
Alles in allem haben wir uns wohl gefuehlt in Diyarbakir und die Kurden als sehr gastfreundliches Volk erlebt. Das orientalische Flair kann man an jeder Ecke der Stadt geniessen.